Rückbau der L 600 unumgänglichDer Bau der B 535 zwischen Heidelberg und Schwetzingen war mit einem enormen Zuwachs an versiegelter Fläche und mit der Zerschneidung von wertvollen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen verbunden. Laut Gesetz muss für derartige Eingriffe in die Natur ein Ausgleich geschaffen werden. Daher wurde als Ausgleich der Rückbau der parallel verlaufenden L 600 bei Sandhausen im Planfeststellungsbeschluss von 1989 rechtskräftig festgeschrieben.
Die Gemeinde Sandhausen will nun den Rückbau der L 600 verhindern, um ein neues Gewerbegebiet zu erschließen und innerörtlichen Verkehr zu vermindern. Daher muss sie Ersatz-Ausgleichsmaßnahmen anbieten, die in ihrer Wirkung dem Rückbau der L 600 entsprechen. Dazu ist das bislang vorgelegte Konzept der Gemeinde nicht in der Lage.
Bei der Entsiegelung der Fläche kann die Gemeinde nur die Hälfte der geforderten Rückbauflächen liefern. Zudem würden die entsiegelten Feldwege weiterhin als Wege genutzt und nicht in echte Biotope (blütenreiche Wegränder) umgenutzt wie es beim Rückbau der L 600 der Fall wäre.
Das Gemeinde-Konzept sieht weiterhin vor, einzelne Äcker in der Feldflur zu begrünen, um die trocken-heißen Sandgebiete mit der feuchten Leimbachaue zu verbinden. Dies ist unsinnig, eine Wiedervernetzung funktioniert nur bei gleichartigen Biotopen wie z.B. den Feldern links und rechts der L 600, Lebensraum von Feldhase, Feldlerche & Co. Zudem ist der abgedeckte Lebensraum nicht groß genug und enspricht nicht dem mit dem Rückbau der L 600 erreichten Wiedervernetzungs-Areal von 3 Quadratkilometern.
Daher kann der NABU unter objektiven Gesichtspunkten einem Erhalt der L 600 nicht zustimmen.
Die Gemeinde Sandhausen hat in der Vergangenheit bereits weitreichende Zugeständnisse erhalten. Ursprünglich sollte die gesamte L 600 zurückgebaut werden, nun wird sie von der B 535 bis Bruchhausen erhalten und darf auch für die Erschließung des geplanten Gewerbegebietes Mühlfeld (mitten auf der „grünen Wiese“) genutzt werden.
Statt der Einfachheit halber den Erhalt der L 600 zur fordern sollten Sandhausens Bürgermeister und Gemeinderat sich Gedanken um ein umfassendes Verkehrskonzept machen, welches zugleich auch die Verkehrsprobleme in der Hauptstraße löst. Auch ein Verzicht auf das geplante Gewerbegebiet Mühlfeld bei Bruchhausen (enormer Flächenverbrauch, Lieferverkehr und Mitarbeiterverkehr) würde sicherlich mehr zur Senkung des CO2-Ausstoßes beitragen als es ein Erhalt der L 600 je könnte.