Flächenverbrauch

Der Flächen-Hunger ist ungebrochen

Ungebremster Flächenverbauch in der Metropolregion

Umweltverbände kritisieren Gewerbeflächenstudie

Copyright: NABU/Sebastian Hennings
Copyright: NABU/Sebastian Hennings

In Deutschland wird zu viel Fläche verbraucht: täglich rund 60 Hektar Landschaft für Gewerbe, Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen. Das entspricht etwa einem Einfamilienhaus pro Minute. Dagegen dauert es 2.000 Jahre, bis zehn Zentimeter fruchtbarer Boden entstehen.

Boden und Fläche sind wertvolle und endliche Güter. Deshalb müssen wir deutlich weniger davon „verbrauchen“, wenn wir nachhaltig handeln wollen. Der Klimawandel und das Artensterben sind zwei der größten Herausforderungen unserer Zeit. Durch den wachsenden Flächenverbrauch werden beide noch verstärkt und befeuert. Dem muss wirksam entgegen gesteuert werden!

Der Regionalverband Rhein-Neckar hat eine Gewerbeflächenstudie in Auftrag gegeben, deren Umsetzung den Verbrauch von 490 Hektar Land bedeuten würde – zusätzlich zu den bereits ausgewiesenen Gewerbeflächen.

 

Die Gewerbeflächenstudie ist Planungsgrundlage für die Änderung des Regionalplans - und das, obwohl sie erhebliche Mängel aufweist. NABU und BUND RNO haben sich daher in einem offenen Brief an die Mitglieder des Planungsausschusses der Metropolregion gewandt. Sie fordern, sich nicht an die Empfehlungen der Gewerbeflächenstudie zu halten, sondern vielmehr einen Netto-Null-Flächenverbrauch anzustreben.

Den genauen Wortlaut des Offenen Briefes finden Sie hier ,  ebenso wie die Stellungnahme zur 1. Änderung des Regionalplans.

 


Flächenverbrauch und Neubaugebiete

NABU fordert ein Ende des Flächen-Fraßes

Täglich werden in Deutschland 66 ha Flächen für Siedlung, Gewerbe und Verkehrswege zugebaut, in Baden-Württemberg sind es 5 ha (50.000 m²) pro Tag.

Diese Flächen gehen dem Naturhaushalt unwiederbringlich verloren.

Das eigentliche Ziel der Bundesregierung war, den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 ha zu halbieren und bis 2050 einen Netto-Null-Verbrauch zu erreichen. Davon sind wir weit entfernt, die Bauwirtschaft boomt und die Besiedlung wird immer dichter.

Was sind die negativen Folgen des Flächen-Fraßes?

Boden ist ein endliches Gut und nicht vermehrbar. Mit der Versiegelung wird die Grundwasserbildung vermindert (Problem bei Hitzeperioden) und die Gefahr von Hochwasser-Ereignissen steigt. Versiegelter Boden ist verloren für die Bildung von Sauerstoff und für die Bindung von CO2-Emissionen. Einmal versiegelt heißt quasi für immer verloren, da Entsiegelung mit enormem Aufwand und Kosten verbunden.

Erholungsräume fehlen. Den Menschen fehlen immer mehr freie, naturnahe Landschaften, in denen sie sich erholen können. Der Blick stößt sofort wieder auf die nächste Besiedlung. Wenn die Entwicklung so weiter geht, dann gibt es z.B. an der Bergstraße bald ein durchgehendes Siedlungsband von Weinheim bis Wiesloch.

Den Landwirten wird die Existenzgrundlage genommen. Fruchtbare Ackerböden und Weideland werden bebaut und können auch nicht an anderer Stelle hinzugewonnen werden. Gerade Betriebe mit Tierhaltung  sind darauf angewiesen, ausreichende Weideflächen in Hofnähe zu haben. Nur so ist der Betrieb zu erhalten. Und genau das wollen wir ja: regional produzierte Lebensmittel ohne lange Transportwege und kein Lammfleisch aus Neuseeland.

Artenvielfalt geht verloren. Um die meisten Gemeinden herum gibt es noch eine vielfältige kleinräumig strukturierte Landschaft mit Streuobstwiesen, die Lebensraum für seltene Vögel, Fledermäuse, Wildbienen und Eidechsen ist. Diese Kostbarkeiten gilt es zu erhalten!

Neubaugebiete bedrohen die Umsetzung des landesweiten Biotopverbunds. Bereits jetzt wurden wichtige Bestandteile des Biotopverbundsystems durch Neubaugebiete unwiederbringlich zerstört. Bei der Fortsetzung der Bautätigkeit gingen weitere wertvolle Vernetzungselemente verloren. Ohne Biotopverbund jedoch haben wir bald nur noch Insel-Vorkommen seltener Tierarten, die genetisch verarmen und vom Aussterben bedroht sind. Es geht um den Erhalt der Grünen Infrastruktur! Laut § 20 BNatschG sollen 10 % der Landesfläche für den Biotopverbund reserviert werden. Der Biotopverbund ist im Rahmen der Regionalpläne und der Flächennutzungspläne jeweils planungsrechtlich zu sichern (§ 22 BNatschG).

Nun kann man argumentieren, dass für Eingriffe in den Naturhaushalt immer Ausgleichsmaßnahmen notwendig sind. Leider ist es jedoch so, dass diese oftmals unzureichend sind und zudem noch falsch umgesetzt und nicht kontrolliert werden.

Was fordert der NABU?


Weitgehender Verzicht auf weitere Neubaugebiete. Statt dessen Arrondierung, Schluss von Baulücken, Sanierung des Ortskerns. Die Grenzen des Wachstums müssen anerkannt werden. Neubaugebiete sind keine sprudelnde Geldquelle, sondern nur ein Zukunfts-Kredit für die Erhaltung Infrastruktur.

 

Begehung mit Gemeinde-Vertretern aus Nußloch

Am Freitag, den 03.05.2019 hatte der NABU Bezirksverband gemeinsam mit dem NABU Leimen-Nußloch den Bürgermeister  und alle im Gemeinderat vertretenen Parteien in Nußloch zu einer gemeinsamen Begehung des bereits im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Baugebiets „Beim Seidenweg II“ eingeladen. Bürgermeister Förster sowie Vertreterinnen und Vertreter von CDU, FDP und den Grünen waren der Einladung gefolgt. NABU-Bezirksgeschäftsführerin Christiane Kranz stellte die Argumente des NABU gegen einen weiteren Flächenverbrauch vor und lud zur Diskussion ein. Während die Grünen einen weiteren Flächenverbrauch komplett ablehnten, legten sich die anderen Parteien nur in so weit fest, dass sie eine Bebauung in nächster Zukunft nicht ins Auge fassen. Mit allen Vertretern des Gemeinderates wurde eine Fortsetzung des Dialogs sowie eine weitere Begehung und ggf. Verbesserung der Ausgleichsmaßnahmen des aktuellen Neubaugebiets „Beim Seidenweg I“ vereinbart.